Schilddrüsenfunktionsstörungen äußern sich oft durch subtile körperliche Veränderungen, doch kaum etwas ist so belastend wie plötzlicher Haarausfall oder auffällige Veränderungen der Haarstruktur. Die Schilddrüse fungiert als körpereigener Regulator und steuert Stoffwechsel und Zellenergie. Wird dieses System gestört, ist der Haarwachstumszyklus – der zwar als nicht lebensnotwendig gilt – oft einer der ersten, der beeinträchtigt wird. Für alle, die einen breiter werdenden Scheitel oder verstärkten Haarausfall bemerken, ist es daher entscheidend, die genauen Mechanismen zu verstehen, durch die Schilddrüsenhormone die Kopfhaut beeinflussen.
Sowohl eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) als auch eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)können zu diffusem Haarausfall auf der gesamten Kopfhaut führen, anstatt nur lokalisierte kahle Stellen zu verursachen. Dies geschieht, weil die Schilddrüsenhormone T3 und T4 eine direkte Rolle bei der Regulierung der Haarfollikelaktivität an der Wurzel spielen. Wenn der Hormonspiegel schwankt, können Haarfollikel vorzeitig in die Telogenphase (Ruhephase) eintreten, dort länger als üblich verweilen und den Übergang zurück in die Anagenphase (Wachstumsphase) verpassen.
Die biologische Verbindung zwischen Schilddrüsenhormonen und Haarfollikeln
Der menschliche Haarfollikel ist ein hochkomplexes Miniorgan, das auf ein präzises Gleichgewicht biochemischer Signale angewiesen ist, um ordnungsgemäß zu funktionieren. Schilddrüsenhormone sind wesentliche Faktoren in diesem Prozess, da sie an spezifische Rezeptoren innerhalb der Hautpapille binden. Bei optimalem Hormonspiegel stimulieren sie die Proliferation von Keratinozyten – jenen Zellen, die für die Produktion des Haarschafts verantwortlich sind. Dies ermöglicht es dem Haar, kräftiger und mit einer konstanten Rate zu wachsen.
Wenn sich eine Schilddrüsenerkrankung entwickelt, wird dieses Gleichgewicht gestört. Dies führt häufig zu einem Zustand, der als telogenes Effluvium bezeichnet wird. In diesem Stadium wird ein großer Prozentsatz der Haare gleichzeitig in den Ruhezustand versetzt. Die Folge: Das Haar fällt nicht nur aus, sondern das neue Haar, das es ersetzen sollte, wächst nicht nach. Dies führt im Laufe der Zeit zu einer fortschreitenden und spürbaren Verringerung der gesamten Haardichte.
Strukturelle Veränderungen und Haarqualität
Eine chronische Schilddrüsenfehlfunktion kann auch die strukturelle Qualität des Haares selbst verändern. Viele Patienten berichten, dass ihr Haar trocken, brüchig oder ungewöhnlich fein wird, noch bevor der sichtbare Ausfall beginnt. Dies liegt daran, dass Schilddrüsenhormone auch die Talgproduktion und die Integrität der Schuppenschicht (Cuticula) regulieren. Ohne ausreichende hormonelle Unterstützung verliert das Haar seine Elastizität, neigt verstärkt zu Haarbruch und das gesamte Haarvolumen wirkt deutlich reduziert.
Mustererkennung: Hypothyreose vs. Hyperthyreose – Haarausfall
Obwohl beide Zustände die Kopfhaut betreffen, unterscheidet sich das Erscheinungsbild der schilddrüsenbedingten Haarausfällung je nach Art des hormonellen Ungleichgewichts erheblich.
Bei einer Schilddrüsenunterfunktion wird das Haar typischerweise grob, trocken und brüchig. Ein klassisches klinisches Symptom ist das Ausdünnen des äußeren Drittels der Augenbrauen, auch bekannt als Hertoghe-Zeichen. Der Haarausfall bei einer Unterfunktion verläuft im Allgemeinen langsam und diffus, was die insgesamt reduzierte Stoffwechselaktivität des Körpers widerspiegelt.
Im Gegensatz dazu produziert eine Schilddrüsenüberfunktion oft Haar, das sich ungewöhnlich weich, fein und leicht anfühlt. Aufgrund des hypermetabolen Zustands des Körpers beschleunigt sich zwar der Haarwachstumszyklus, aber die produzierten Haare sind schwächer und erreichen häufig nicht ihre volle Länge. In beiden Fällen wird der Zustand als nicht vernarbende Alopezie klassifiziert. Das bedeutet: Die Haarfollikel bleiben am Leben und sind in der Lage, sich zu regenerieren, sobald das hormonelle Gleichgewicht durch eine entsprechende medizinische Behandlung wiederhergestellt ist.
Statistiken: Wie häufig ist schilddrüsenbedingte Alopezie?
Klinische Forschungen belegen beständig den engen Zusammenhang zwischen endokriner Gesundheit und langfristiger Haarvitalität. Laut Schätzungen von Endokrinologie-Verbänden werden etwa 12 % der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens eine Schilddrüsenerkrankung entwickeln.
Studien, wie sie im Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism veröffentlicht wurden, deuten darauf hin, dass eine frühzeitige Diagnose und Behandlung den Haarausfall in bis zu 70 % der Fälle rückgängig machen kann – vorausgesetzt, der Hormonspiegel bleibt über mindestens sechs Monate stabil.
| Symptom / Merkmal | Schilddrüsenunterfunktion | Schilddrüsenüberfunktion |
| Haarstruktur | Strohig, trocken, brüchig | Fein, weich, dünn |
| Ausfallmuster | Langsame, diffuse Ausdünnung | Schneller, lückenhafter oder diffuser Ausfall |
| Augenbrauen | Häufiges Ausdünnen (äußeres Drittel) | Selten |
| Kopfhaut | Oft trocken oder schuppig | Meist normal oder fettig |
| Geschätzte Häufigkeit | ca. 33 % der klinischen Fälle | ca. 40–50 % der klinischen Fälle |
Ist eine Haartransplantation die richtige Lösung für Schilddrüsenpatienten?
Bei vielen Betroffenen führt die anhaltende Ausdünnung dazu, über permanente Lösungen nachzudenken. Es wurde beobachtet, dass die Haardichte oft nicht mehr vollständig zu ihrem ursprünglichen Zustand zurückkehrt, wenn Schilddrüsenstörungen über Jahre hinweg unbehandelt bleiben – selbst nach einer erfolgreichen hormonellen Korrektur. In solchen Fällen ziehen sowohl Männer als auch Frauen eine Haartransplantation in Betracht, um die sichtbare Dichte in den betroffenen Arealen wiederherzustellen.
Wichtig: Ein stabiler Hormonspiegel ist die Grundvoraussetzung vor jedem chirurgischen Eingriff. Eine Haartransplantation kann zwar gesunde Follikel in lichte Regionen umverteilen, doch der langfristige Erfolg hängt von der systemischen Gesundheit des Patienten ab. Wenn die zugrunde liegende Schilddrüsenerkrankung weiterhin zum Ausfall der nicht-transplantierten Haare führt, kann dies das ästhetische Gesamtergebnis beeinträchtigen.
Daher empfehlen erfahrene Chirurgen meist einen kombinierten Ansatz: Stabilisierung der Schilddrüsenfunktion unter ärztlicher Aufsicht in Deutschland, Österreich oder der Schweiz, gepaart mit modernsten FUE-Techniken zur Dichtewiederherstellung. Diese Strategie stellt sicher, dass die transplantierten Follikel die notwendige hormonelle Unterstützung für ein lebenslanges Überleben erhalten.
Ernährungsstrategien zur Stärkung von neuem und bestehendem Haar
Eine gezielte Nährstoffversorgung spielt eine entscheidende Rolle bei der Wiederherstellung des Haarwachstumszyklus. Eisen- und Ferritinwerte gehören zu den wichtigsten Faktoren, da Eisen sowohl für die Produktion von Schilddrüsenhormonen als auch für die Follikelaktivität essenziell ist. Studien deuten darauf hin, dass bis zu 60 % der Menschen mit Schilddrüsenerkrankungen auch niedrige Eisenspeicher haben, was den Haarausfall verschlimmern und das Anwachsen neu transplantierter Grafts verlangsamen kann.
Zusätzlich tragen Biotin (Vitamin B7) und Zink signifikant zur Festigkeit des Haarschafts und zur Keratinsynthese bei.Diese Nährstoffe helfen sowohl dem Eigenhaar als auch den transplantierten Follikeln, kräftiger und widerstandsfähiger zu wachsen. Omega-3-Fettsäuren können die Gesundheit der Kopfhaut weiter unterstützen, indem sie follikuläre Entzündungen reduzieren – insbesondere bei Autoimmunerkrankungen wie Hashimoto-Thyreoiditis. Dies schafft ein günstiges Umfeld für nachhaltigen Haarwuchs.
Häufig gestellte Fragen
Werden meine Haare wieder nachwachsen, sobald meine Schilddrüsenwerte normal sind?
In den meisten Fällen ja. Sobald das hormonelle Gleichgewicht wiederhergestellt ist, verlassen die Haarfollikel in der Regel die Ruhephase und nehmen allmählich ihr Wachstum wieder auf. Sichtbare Verbesserungen brauchen jedoch Zeit, und es kann 6 bis 12 Monate dauern, bis deutliche Veränderungen der Haardichte erkennbar sind.
Können Schilddrüsenmedikamente selbst Haarausfall verursachen?
In seltenen Fällen ja. Medikamente wie Levothyroxin können in den ersten Behandlungsmonaten vorübergehenden Haarausfall verursachen. Dieser Effekt ist in der Regel von kurzer Dauer und verschwindet, sobald sich der Körper an einen stabilen Hormonspiegel gewöhnt hat.
Wie kann ich feststellen, ob mein Haarausfall auf meine Schilddrüse oder auf meine Gene zurückzuführen ist?
Schilddrüsenbedingter Haarausfall tritt typischerweise diffus über die gesamte Kopfhaut auf, während genetisch bedingter Haarausfall erkennbaren Mustern folgt, wie z. B. einem zurückweichenden Haaransatz oder einer Ausdünnung des Oberkopfes. Bluttests zur Bestimmung von TSH, T3 und T4 sind erforderlich, um eine Schilddrüsenbeteiligung zu bestätigen.
Ist eine Haartransplantation sicher, wenn ich Hashimoto habe?
Ja, vorausgesetzt, der Zustand ist medizinisch stabil. Obwohl Hashimoto eine Autoimmunerkrankung ist, können viele Patienten erfolgreich eine Haartransplantation durchführen lassen, sobald die Entzündung unter Kontrolle ist und die Kopfhaut die neuen Transplantate ausreichend unterstützen kann.
Mehr Selbstvertrauen dank professioneller Behandlung
Wenn Ihr Haar trotz Behandlung Ihrer Schilddrüsenerkrankung weiterhin dünner wird, kann eine professionelle Untersuchung helfen, die effektivsten nächsten Schritte zu ermitteln. Vereinbaren Sie eine kostenlose Online-Beratung mit der Dr. Serkan Aygin Klinik, um individuelle Möglichkeiten zur Haarwiederherstellung und -regeneration zu besprechen.
Medizinische und wissenschaftliche Referenzen
- Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism (JCEM)
van Beek, N., et al. (2008). Thyroid Hormones Directly Alter Human Hair Follicle Functions.
Demonstrates direct binding of T3 and T4 to hair follicle receptors, stimulating anagen prolongation and keratinocyte proliferation. - American Association of Clinical Endocrinologists (AACE)
Thyroid Disease and Hair Loss: A Patient’s Guide to Endocrine Health.
Supports prevalence data and diffuse shedding patterns associated with thyroid dysfunction. - Indian Dermatology Online Journal
Rajput, R. J. (2010). Influence of Thyroid Hormones on Hair Follicle Dynamics.
Discusses clinical hair loss patterns and the role of low ferritin in thyroid-related alopecia. - International Journal of Trichology
Vincent, M., & Yogiraj, K. (2013). A Descriptive Study of Alopecia Patterns and Their Relation to Thyroid Dysfunction. Validates the diagnostic relevance of eyebrow thinning in hypothyroidism.

Mustererkennung: Hypothyreose vs. Hyperthyreose – Haarausfall
